HBO Datenbank - Bericht

Autor: Morkramer, Michael
Titel: 150 Jahre Lippstädter Schulprogramme
Erscheinungsjahr: 2003
Text des Beitrages:


Wenn, wie in einem FAZ-Artikel berichtet wird, die Preußen wussten was an ihren Schulen geschah, dann können wir heute mit diesem Wissen die Geschichte preußischer Schulen exakt rekonstruieren. Voraussetzung ist, man findet die sog. Schulprogramme / Schulberichte, die die einzelnen höheren Schulen (Gymnasien/Realschulen/höhere Bürgerschulen) an die Aufsichtsbehörden (Provinzial-Schulkollegien) schicken mussten und die auch unter den Schulen, Bibliotheken und Universitäten ausgetauscht wurden. Bereits im August 1824 erließ das „Preußische Ministerium der geistlichen, Unterichts- und Medicinalangelegenheiten“ ein „Circularrescript, die Gymnasial-Prüfungsprogramme betreffend“, in welchem alle höheren Lehranstalten verpflichtet wurden, einmal im Jahr ein Schulprogramm zu verfassen, welches anschließend an das Ministerium, die örtlichen Konsistorien und andere Schulen zu schicken waren. (aus: R. Mönch, Die Preußen wussten noch…, F.A.Z. 15.11.2002 http://www.dipf.de/aktuelles/presse_preussen_faz_15112002.pdf)
Daraus ist in den folgenden Jahren ein Austauschdienst entstanden. Die in Heftform gedruckten Programme waren ein Informationsfundus für Schüler, Eltern, Lehrer, Universitäten, Bibliotheken und Behörden. Sie enthielten Aussagen zum Kollegium, zur Schülerschaft, über die Abiturienten, zu den Unterrichtsinhalten, den Erlassen, den Lektüren, über die Schulbibliotheksbestände und zur Chronik des Schuljahres. Sie gaben „dem Publicum Zeugnis vom inneren Charakter der Schule“ Bis 1872 enthielten sie verpflichtend sog. wissenschaftliche Abhandlungen einzelner Kollegen zu schul- oder unterrichtsrelevanten Themen. Es ist jedoch fraglich, inwieweit der definierte Zweck erreicht wurde. Es gab zwar öffentliche Prüfungen und Redeübungen an den höheren Schulen, ob aber die Schulschriften auch den Schülern und Eltern zur Verfügung gestellt wurden oder ob sie letztlich doch nur für den Austausch unter den Schulen und für die Behörden gedruckt waren, müsste sicherlich untersucht werden.

Bei der Erstellung einer Schulgeschichte des Ostendorf-Gymnasiums im westfälischen Lippstadt (1851 höhere Bürgerschule, 1856 Realschule, 1859 Realschule 1. Ordnung, 1883 Realgymnasium, 1899 Reformgymnasium mit Realschule, 1938 Oberschule, nach 1948 Gymnasium – benannt nach Julius Ostendorf, 1823–1877) kann, wie die abschließende Auflistung zeigt, auf einen nahezu geschlossenen Bestand der Lippstädter Schulprogramme zurückgegriffen werden. Zudem wurde beim Abriss des Schulgebäudes von 1864 im Jahre 1969 eine Registraturmappe gerettet mit der Beschriftung „Realgymnasium zu Lippstadt. Registratur A 8 – Allgemeine Vorschriften über Abfassung und Einreichung der Jahresschriften“, in der von der Schulleitung in der Zeit von Ostendorf 1855 über Aust bis Boesche1904 die Circularverordnungen des Preußischen Ministeriums zum Schulprogrammwesen abgeheftet sind; U.a. folgende:
“ Unter Bezugnahme auf die Circularverfügung vom 11ten Mai 1853, die Programme der höheren Bürger- und Realschulen betreffend, veranlasse ich die Königliche Regierung, (hier Arnsberg) die Direktoren derjenigen Anstalten Ihres Ressorts von denen Programme uns gegeben wurden, dahin anzuweisen, daß sie in Zukunft je 5 Exemplare unmittelbar an die Geheime Registratur des Ministeriums einsenden. Es bedarf dabei keines Anschreibens, wohl aber, der Controlle wegen, einer Anzeige, wenn das Programm etwa nicht hat erscheinen können. – Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten. Gez. v.Raumer“

„Da das Gymnasium zu Tübingen im Königreich Württemberg vom laufenden Jahr ab dem Programm-Austausch-Verein beitritt, so sind künftig von den für die ausländischen Gymnasien ect bestimmten Programme 167 Exemplare an die Geheime Registratur des geistlichen pp.. Minister einzusenden. Wir bemerken hierbei zugleich, daß nach meiner Anzeige der vorgedachten Geheimen Registratur die angeordnete direkte Einsendung von einzelnen der Herren Direktoren nicht pünktlich, von anderen nicht unter Bezeichnung der Herrschaftlichen Rubrik erfolgt ist. Wir verweisen dieserhalb zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten auf unsere Verfügung vom 24. April 1852 No. 1347 S. – Münster, den 6. August 1856 Königliches Provinzial-Schul-Collegium.“
„Zufolge Ministerial-Bestimmung weisen wir Ew. Wohlgeboren (so wurden die Direktoren angeschrieben) an, fortan von denjenigen Schulprogrammen, deren wissenschaftlichen Abhandlungen einen Theil der Geschichte Deutschlands oder Preußens zum Gegenstand hat, bald nach deren Erscheinen ein Exemplar an das Directorium der Königlichen Staats-Archive zu Berlin einzusenden. - Münster, den 19 August 1856. Königliches Provinzial-Schul-Collegium.“

„Zufolge einer Circular-Verfügung vom November 1857 hat der Minister der geistlichen pp. Angelegenheiten vorgeschrieben, daß auch in den Programmen der Realschulen“ … die von den Abiturienten zu bearbeitenden Aufgaben alljährlich mitgeteilt werden sollen.
Dies erging im März 1863 von Münster abschriftlich an den Herrn Realschuldirektor Ostendorff (fälschlicher Weise mit zwei f geschrieben!) Wohlgeboren zu Lippstadt, unter der AktenNo. 751 S

Die Lippstädter höhere Schule beteiligte sich gewissenhaft an der Erstellung und am Austausch der Schulschriften. Für den Schulleiter Julius Ostendorf, der die Geschicke der Schule von 1851 bis 1872 leitete, waren die Schriften anfänglich auch ein Forum, um die steigende Qualität und damit Qualifizierung der Schule vor der Stadt und der Schulauficht zu dokumentieren. Bereits im ersten Programm 1855 erschienen von Dr. Edouard Lottner zwei mathematisch-wissenschaftliche Abhandlungen: 1. Versuch einer mathematischen Theorie des electrischen Residuums in der Leidener Flasche und 2. Zur Theorie des Foucault´schen Pendelversuchs. Im zweiten Programm 1856 profilierte sich der Lehrer Uhlemann mit einer lateinischen Abhandlung über eine griechische Partikel, 1857 folgte Ostendorfs Abhandlung über Die Leibesübungen an der hiesigen Realschule, 1858 die biologische Abhandlung von Dr. Hermann Müller, einem wissenschaftlichen Weggefährten von Charles Darwin, Beitrag zur Flora von Lippstadt. Damit hatten alle ordentlichen Lehrer des kleinen Kollegiums ihre Qualifikationen unter Beweis gestellt und eine der Vorraussetzungen dafür geschaffen, dass die Lippstädter Schule von der höheren Bürgerschule zu einer der vier Realschulen I. Ordnung in der preußischen Provinz Westfalen aufstieg.
Allerdings fand nicht jeglicher wissenschaftlicher Eifer die Zustimmung aus Berlin. So erreichte aus gegebenem Anlass den Lippstädter Schulleiter ein Schreiben des Privinzial Schulkollegiums in Münster, worin 1866, also 10 Jahre später, u.a. die lateinische Abhandlung von Uhlemann namentlich eine Missbilligung erfuhr:
„An den Realschul-Director Herrn Ostendorf, Wohlgeboren zu Lippstadt, No. 382 S
Abschrift des vorstehenden Erlasses erhalten Ew. Wohlgeboren zur Kenntnißnahme und Beachtung, sowie mit der Bemerkung, daß der Herr Cultus-Minister es nicht hat billigen können, daß eine von den Realschulen der Provinz vor einigen Jahren eine lateinische Abhandlung über eine griechische Partikel, und noch im vorigen Jahre eine andere gleichfalls eine lateinische Programm-Abhandlung veröffentlicht hat. Münster, den 27. Januar 1866
Der beigefügte entsprechende Erlass aus Berlin lautete: „ Bei der im Jahre 1824 für die Gymnasien getroffenen allgemeinen Anordnungen der Herausgabe jährlicher Programme gehört es zu der ausgesprochenen Bestimmung solcher Schulschriften, ein näheres Verhältniß der Schule auch zu den Eltern der Schüler sowie zu dem größeren Publikum anzubahnen, und bei demselben eine Erhöhung der Theilnahme an den öffentlichen Bildungsanstalten zu bewirken. Auch die den Schulschriften voranzuschickenden Abhandlungen sollten deshalb einem …angehören, welches ein allgemeines Interesse mindestens der gebildeten Stände wie öffenlichen Unterricht in Anspruch nimmt. Die Realschulen haben, indem sie ihrer Bestimmung gemäß dem öffentlichen Leben und den praktischen Berufsspähren näher stehen als die Gymnasien, ganz besonders die Pflicht, den im Obigen angedeuteten Zusammenhang festzuhalten und zu pflegen. Nach den bisherigen Wahrnehmungen fehlt noch viel, daß diese Pflicht überall richtig gewürdigt und befolgt würde. Wie in der Behandlung einzelner Unterrichtsgegenstände, namentlich des Lateinischen und der Geschichte, bei manchen Realschulen eine klare Erkenntniß der Unterschiede zwischen Gymnasium und Realschule noch vermißt wird, so tragen auch viele Realschulprgramme noch völlig gymnasiales Gepräge: sie nehmen in den vorausgeschickten Abhandlungen auf den Character der Schule und auf das Publicum, für welches diese in die Öffentlichkeit ausgehenden Zeugnisse vom inneren Leben der Schule vorzugsweise bestimmt sind, keine Rücksicht, und können somit nicht dazu dienen, eine nähere Verbindung zwischen Schule und Haus herstellen.
Die in der Unterrichts- und Prüfungsordnung vom 6. October 1859 über die Programme enthaltenen Bestimmungen werden dabei ungehöriger Weise unbeachtet gelassen. Ich veranlasse das Königliche Provinzial-Schul-Collegium, diesem Gegenstande für die Realschulen seines Ressorts eine verstärkte Aufmerksamkeit zuzuwenden und in Zukunft namentlich nicht zu gestatten, daß die Abhandlungen der Realschul-Programme lateinisch abgefaßt werden oder philosophische Detailuntersuchungen und dergl. mehr zum Gegenstand haben.
Wissenschaftliche Arbeiten solcher Art zu veröffentlichen kann es den Verfassern an anderweitiger Gelegenheit nicht fehlen; das Realschulprogramm ist, so schätzbar die Arbeiten an sich sein mögen, nicht der Ort dazu. Eben so wenig kann es einem Lehrer an Gegenständen fehlen, die für den vorher angedeuteten Zweck der Programme geeignet sind. Das Gebiet der Geschichte und der Literatur, der Natur und der Kunst bieten unerschöpflichen Stoff dar; nur die Ehre, die Wissenschaft zu popularisiren, sollte der Einsicht weichen, daß diese auf die rechte Weise zu thun auch ein Verdienst und eine Kunst ist. In vielen Fällen würde passenden Mittheilungen aus der Geschichte des betreffenden Landestheils, der Stadt und der Schule selbst ein allgemeines Interesse entgegenkommen. Nicht selten werden es ferner die besonderen Verhältnisse einer Schule wünschenswerth machen, daß eine auf den Unterricht oder die practische Pädagogik bezügliche Frage eingehend behandelt werde, um auf diesem Wege zu einer Verständigung der Betheiligten beizutragen.
Ich wünsche, daß sowohl der Departements-Rath des Königlichen Provinzial-Schul-Collegiums, wie die Directoren der einzelnen Anstalten es sich angelegen sein lassen, nach diesen Gesichtspunkten mehr und mehr auf die Wahl geeigneter Gegenstände für die Realschulprogramme hinzuwirken und dadurch den Nutzen derselben zu erhöhen.
Berlin, den 17. Januar 1866; in Vertretung gez. Lehnart; U 853

Bei der Untersuchung der Lippstädter Programme erkennt man, dass bis auf diesen einen Fall die Gegenstände / Themen der Abhandlungen richtlinienkonform waren. Im ersten Teil wurde, so oft es der Schuletat zuließ, eine Abhandlung veröffentlicht und die anschließenden Schulnachrichten waren nach dem vorgeschriebenen Schema aufgebaut:
I. Lehrverfassung;
A. Lehrplan für das Schuljahr;
a. Allgemeiner Lehrplan; b. Verteilung der Fächer auf die einzelnen Lehrer
c. Spezieller Lehrplan der Klassen
B. Übersicht über die erlassenen Verfügungen von allgemeinem Interesse
II. Chronik der verflossenen Schuljahres
III. Statistische Nachrichten
A. Curatorium und Lehrer-Kollegium der Anstalt
B. Frequenz der Anstalt / Namen der Abiturienten
C. Stand des Lehrapparates
D. Etat der Anstalt
IV. Stiftungen der Schule
V. Besondere Mitteilungen an die Eltern
In gewissen Abständen folgte am Schluss ein alphabetisches Verzeichnis der Schüler. 1914 erschien die letzte wissenschaftliche Abhandlung in den Lippstädter Programmen: „Licht über die Vorgeschichte des Krieges 1870/71“ von Prof. Dr. Hesselbarth.

Im oben zitierten Schreiben vom 17. Januar 1866 aus Berlin wird jedoch ein Weiteres deutlich, nämlich die Auseinandersetzung unter den höheren Schulen, speziell den Realschulen I. Ordnung und den Gymnasien, die in der Literatur als sog. Berechtigungsstreit oder Schulstreit beschrieben wird. An manchen Stellen findet man sogar den unpassenden Begriff des Schulkriegs. In diesem Berechtigungsstreit ging es um die Bewertung der Abschlüsse und die dementsprechenden Berufs-, bzw. Studienzulassungen. Auf diesem Gebiet profilierte sich Julius Ostendorf sehr frühzeitig und wurde während seiner Düsseldorfer Jahre (1872-1877) 1873 zur Schulkonferenz über das höhere preußische Bildungswesen vom Minister Falk nach Berlin eingeladen. Von den Realschulmännern wurde 1874 Ostendorfs Wahl in das Preußische Abgeordnetenhaus für den Wahlkreis Bielefeld betrieben.

Viele Schulleiter zeigten indes, dass das Programmwesen für sie wohl eine Zumutung bedeutete, denn 1863 kam aus Berlin eine ebenfalls deutlich reglementierende Circularverordnung:
„Die nicht geringe Arbeit, welche der Programmenaustausch für die Centralbehörde mit sich bringt, wird dadurch außerordentlich erschwert und vermehrt, daß viele Directoren die für die jährliche Einsendung der Programme getroffenen Anordnungen unbeachtet lassen. Die in dieser Beziehung in jedem Jahr trotz wiederholter Erinnerung sich erneuernden Vernachlässigungen beweisen, daß es den betreffenden Directoren an Sinn für Ordnung und Correctheit in dergleichen äußerlichen Amtgeschäfte fehlt. Ich nehme deshalb Veranlassung, in Folgendem dasjenige zusammenzustellen, was bei der Einsendung der Programme zu beachten ist…“ Es folgen in 9 Punkten exakte Anordnungen für das Erstellen und Versenden der Programme mit der Androhung, dass bei Nichtbefolgen die Schulleiter Konsequenzen zu erwarten haben.
Im Mai 1873 werden die Direktoren der höheren Lehranstalten davon in Kenntnis gesetzt, dass sie doch bitte ein Exemplar ihrer bisherigen und zukünftigen Programme an die von der Comenius-Stiftung in Leipzig gegründete pädagogische Central-Bibliothek schicken mögen.
Der zeitliche und besonders materielle Aufwand für das sich ausweitetende Programmwesen in Preußen führte zu Diskussionen, die in einer im Oktober 1872 in Dresden abgehaltenen Konferenz deutscher Schulbeamter gipfelten. Das Ergebnis: „Die mit dem Programmwesen nach der Ausdehnung, die es allmählich erhalten hat, verbundenen Uebelstände sind wiederholt Gegenstand von Verhandlungen gewesen.…In Berücksichtigung dieser Umstände wurden diesseits für die künftige Einrichtung folgende Vorschläge gemacht:“ (zusammengefasst)
- Die wissenschaftlichen Beigaben zu den vorgeschriebenen Schulnachrichten sind kein Zwang mehr. Durch die Veröffentlichungen der Einrichtungen und Verhältnisse der einzelnen Schulen in pädagogischen Zeitschriften (z.B. dem Pädagogischen Archiv ) kann sich die Verbreitung der gedruckten Schulnachrichten auf Interessierte und die betreffenden Behörden begrenzen.
- Die Programme mit wissenschaftlichen Abhandlungen werden über eine buchhändlerische Kontrollstelle weiter verbreitet. Damit wird die Teubner´sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig betraut, die jedes Jahr ein fortlaufendes Verzeichnis der wissenschaftlichen Abhandlungen veröffentlicht. Entsprechend den danach eingehenden Bestellungen – auch von Seiten der Universitäten und Bibliotheken – werden dann die Schulprogramme durch die jeweilige Schule gedruckt, an die Teubner´sche Verlagsbuchhandlung geschickt und von dort verteilt.
„Der vorstehende Plan erscheint für den ersten Augenblick sehr compliciert, aber der Zweck, bei Beseitigung der bisherigen Uebelstände das Gute der Sache zu erhalten, ist auf diesem Wege ohne Zweifel erreichbar; …Die Mehrzahl der Gymnasien und Realschulen wird muthmaßlich in die Lage kommen, hinfort viel weniger Exemplare der jährlichen Programme drucken zu lassen, und dadurch eine Ersparniß zu machen. Die bisherige Ordnung, nach welcher an die Schulbehörden des einzelnen Staates von den höheren Lehranstalten desselben jedesmal gleich nach Erscheinen der Programme einige Exemplare einzureichen sind, wird durch die neue Einrichtung nicht berührt.
Berlin, den 1. Juni 1874“
Andererseits kamen aber zusätzliche Wünsche nach diesen Programmen, wie z.B. vom Oberprä-sidenten der Provinz Westfalen in einem Schreiben vom 12. April 1878 an die Schulleiter der Provinz, u.a. auch an den Realschul-Direktor, Herrn Dr. Aust, Wohlgeboren zu Lippstadt:
„Die Bibliothek des Provinzial-Vereins für Wissenschaft und Kunst besitzt nur vereinzelte Exemplare der mit Abhandlungen ausgestatteten Programme der höheren Lehranstalten hiesiger Provinz…. Es ist aber nicht zweifelhaft, daß die Bibliothek nicht nur wesentlich vervollständigt und bereichert wird, wenn derselben der große Schatz von Wissen und Forschung einverleibt wird, welcher in den erwähnten Abhandlungen enthalten ist, sondern auch die geeignete Stätte ist, an welcher dieser Schatz gemeinnützig gemacht und vor der Vergessenheit geschützt wird….
Ew. Wohlgeboren ersuche ich daher ergebenst, sämmtliche Programme der Ihnen untergebenen Anstalt, welche Abhandlungen enthalten, soweit Exemplare noch vorhanden sind, direkt dem Vorstande des Vereins zusenden zu wollen und mit dieser Zusendung auch künftig, sobald Programme jener Art erscheinen, fortfahren zu wollen….“

Die in der Schulschriften-Sammlung des Lippstädter Stadtarchivs befindlichen Exemplare fremder Schulprogramme erklären sich aus dem oben dargestellten preußischen Programmwesen. Was das Provinzial-Schulkollegium in Münster anbetrifft, so hat dieses die jährliche Schulberichte, die sich mit der Zeit mehr und mehr zu statistischen Mitteilungen wandelten, bis 1971 eingefordert.
155 Jahre Ostendorf-Schulgeschichte stehen somit auf mehr als 3000 Seiten zur Auswertung zur Verfügung, denn die erste Ausgabe von 1855 beschreibt die Lippstädter höhere Schule ab 1850. Es fehlen lediglich die Kriegsjahre in denen keine Berichte erstellt wurden, weil Papier ein kriegswichtiger Rohstoff war. In diesen Fällen muss die Schulgeschichte aus den noch vorhandenen Akten rekonstruiert werden. Gedruckt wurden die Lippstädter Programme von 1855 bis 1930 von August Staats & Companie, Lippstadt; Blassmann & Feige, Lippstadt; D. Bädecker, Essen; Aschendorff´sche Buchdruckerei, Münster; E. Weinert´s Buchdruckerei, Lippstadt; und E. Hegener, Lippstadt;


Übersicht der Jahresprogramme der Ostendorf – Schule in Lippstadt
und ihre Standorte:
1. Heimatmuseum Lippstadt
2. Stadtarchiv Akte SDc 71 / Ostendorf-Archiv Lippstadt
3. Universitätsbibliothek Münster
4. Privatbesitz W. Schulte Steinberg
5. Kopie im Schularchiv des Ostendorf-Gymnasiums
6. Staatsarchiv Münster

Jg. Jahr Inhalte Standort Seiten
1 1855 2 mathem. Abhandlungen - von Lottner 1; 2; 5 24
2 1856 Die höhere Bürgerschule zu Lippstadt wurde zur Realschule erhoben / lateinische Abhandlung - von Uhlemann 1; 2; 5 24
3 1857 u.a. Abhandlung über den Sport - von Ostendorf 1; 2; 5 40
4 1858 u.a. biologische Abhandlung - von Dr. H. Müller 1; 2; 5 49
5 1860 Die Realschule wurde zur Realschule I. Ordnung erhoben / physik. Abhandlung - von Lottner 1; 2; 5 44
6 1861 keine Abhandlung, u.a. aus Etatgründen! 1; 2; 5 20
7 1862 keine Abhandlung, u.a. aus Etatgründen! 1; 2; 5 16
8 1863 u.a. Lehrplan für das Fach Deutsch - von Uhlemann 1; 2; 5 65
9 1864 u.a. Lehrplan für das Fach Französisch - von Ostendorf 1; 2; 5 46
10 1865 u.a. Lehrplan für den naturwissenschaftlichen Unterricht - von Lottner und Müller 1; 2; 5 51
11 1866 u.a. neues Schulgebäude / Turnhalle / Schwimmplatz 1; 2; 5 24
12 1867 keine Abhandlung, u.a. aus Etatgründen! 1; 2; 5 15
13 1868 u.a. Lehrplan für Englisch - von Vilmar 1; 2; 5 57
14 1869 keine Abhandlung, u.a. aus Etatgründen! 1; 2; 5 24
15 1870/71 keine Abhandlung, u.a. aus Etatgründen! 2; 3; 5 24
16 1872 Ostendorf wird nach Düsseldorf berufen 2; 3; 5 21
17 1873 Über italienischen Schulunterricht - von Dr. Schäfer/Direktor Dr. Aust 2; 3; 5 19
18 1874 Der erste chemische Lehrgang - von Dr. H. Müller 2; 3; 5 33
19 1875 Der evangelische Religionsunterricht - von Treutmann 2; 3; 5 27
20 1876 Der naturwissenschaftliche Lehrplan zu Lippstadt - von Dr. Müller 2; 3; 5 36
21 1877 Ostendorf stirbt in Halle
französische Abhandlung - von Born
2; 3; 4; 5 61
22 1878 keine Abhandlung, u.a. aus Etatgründen! 2; 3; 5 16
23 1879 keine Abhandlung, u.a. aus Etatgründen! 2; 3; 5 16
24 1880 Rede zum Sedanstag ? von Born 2; 3; 4; 5 19
25 1881 Die Parabeln Jesu im Krist und Heliand ? von Dr. Schulze Direktor Dr. Aust scheidet aus, Direktor Schröter folgt 2; 3; 5 40
26 1882 Hist.- krit. Untersuchung zu Livius ? von Hesselbarth 2; 3; 4; 5 44
27 1883 Realschule 1. Ordnung zum Realgymnasium erhoben 2; 3; 5 26
28 1884 über den franz./engl. Unterricht / Tod Dr. H. Müller in Tirol 2; 3; 4; 5 36
29 1885 Abhandlung über die Mineralogie ? von Steinbrinck 2; 3; 5 36
30 1886 Lehrplan-Entwurf für Zeichnen ? von Höke 2; 3; 5 33
31 1887 Beispiel der Festigkeitslehre ? von Lottner 2; 3; 5 27
32 1888 Kants kategorischer Imperativ ? von Dr. KoppelmannTod Prof. Dr. Lottner 2; 3; 4; 5 38
33 1889 Die Geschichte des Gymnasiums in Lp ? von Hesselbarth 2; 3; 5 27
34 1890 Zur Geschichte Lippstadts im 17./18. Jhd. ? von Hesselbarth 2; 3; 5 32
35 1891 Abhandlung über das Zeichnen ? von Höke 2; 3; 4; 5 32
36 1892 keine Abhandlung 2; 3; 5 19
37 1893 ?Durch das Britische Reich? ? von Dr. Schürmann 2; 3; 4; 5 38
38 1894 Darstellung der Sittenlehre Jesu ? von Dr. Koppeklmann
neuer Direktor Dr. Schirmer
2; 3; 5 39
39 1895 u.a. zur Neugestaltung der Schule 2; 3; 4; 5 31
40 1896 keine Abhandlung 2; 3; 4; 5 17
41 1897 keine Abhandlung 2; 3; 4; 5 18
42 1898 Einführung von Direktor Boesche 2; 3; 5 31
43 1899 Die Schule wird zur Reformschule ernannt (Realgymnasium und Realschule) u.a. Bismarck-Gedenkrede ? von Prof. Dr. E. Aust 2; 3; 5 33
44 1900 u.a. Anmerkungen zum 50. Jubiläum (S.18/19) 2; 3; 4; 5 27
45 1901 u.a. zur Jubelfeier (S.18/19) 2; 3; 5 30
46 1902 u.a. Rückblick auf die Jubelfeier (S.18/19) 2; 3; 4; 5 27
47 1903 a Lippstädter Häuserbesitz in früheren Zeiten ? von Hesselbarth 2; 3; 5 32
1903 b Bericht der Schule vom Direktor 2; 5 25
48 1904 keine Abhandlung 2; 3; 5; 6 29
49 1905 u.a. Begründung der Franz Fieseler-Stiftung 2; 3; 5; 6 29
50 1906 u.a. Zur Kaiserfeier: Deutsche Helden ? von Dr. Merten 2; 3; 5; 6 29
51 1907 hemaligentreffen 1906 / Namensgebung ?Ostendorf-Schule? 2; 3; 5; 6 36
52 1908 u.a. lateinische Syntax für Reformgymnasien ? von Prof. Dr. Hesselbarth und Prof. Wibbe Bericht zur Namensgebung ?Ostendorf-Schule? (S. 14/15) 2; 3; 5; 6 22
53 1909 keine Abhandlung 2; 3; 5; 6 21
54 1910 keine Abhandlung 2; 3; 5; 6 21
55 1911 keine Abhandlung 2; 3; 5; 6 24
56 1912 keine Abhandlung 2; 3; 4; 5; 6 22
57 1913 Prof. Dr. Hesselbarth kom. Schulleiter Rauschenberger wird neuer Direktor 2; 3; 4; 5 24
58 1914 u.a. Licht über die Vorgeschichte des Krieges 1870/71 - von Prof. Dr. Hesselbarth 2; 3; 4; 5 29
59 1915 u.a. Kriegsnachrichten ? Prof. Ripke stellv. Schulleiter 2; 3; 4; 5 25
60 1916 fehlt
61 1917 fehlt
62 1918 fehlt
63 1919 fehlt
64 1920 fehlt
65 1921 Rauschenberger im Oktober 1920 aus russ. Kriegsgefangenschaft zurück ? er übernimmt 1921 wieder die Schulleitung 5; 6 20
66 1922 fehlt
67 1923 nur Schulnachrichten 6
68 1924 nur Schulnachrichten 2; 3; 5; 6
69 1925 nur Schulnachrichten 2; 3; 5; 6 22
70 1926 nur Schulnachrichten 2; 3; 5; 6 31
71 1927 Alert übernimmt die Schulleitung 2; 3; 5; 6 24
72 1928 nur Schulnachrichten 2; 3; 5; 6 26
73 1929 nur Schulnachrichten 2; 3; 5 28
74 1930 Die Schulberichte erscheinen nicht mehr in gedruckter Form sondern werden von nun an mit Schreibmaschine geschrieben 2; 5; 6 30
75 1931 nur Schulnachrichten 2; 5; 6 30
76 1932 nur Schulnachrichten 2; 5; 6 16
77 1933 ach Direktor Alert stellvert. Direktor Galle 2; 5; 6 22
78 1934 Direktor Müller übernimmt die Amtsgeschäfte 2; 5; 6; 19
79 1935 nur Schulnachrichten 2; 5; 6; 24
80 1936/37 nur Schulnachrichten 2; 5; 6 28
81 1937/38 Realgymnasium mit Realschule wird Oberschule 2; 5; 6 27
82 1938/39 Lützenberger kom. Schulleiter 2; 5; 6 14
83 1939/40 Schulleiter Lützenberger, ab 1.9.39 stellvertretend Galle 2; 5; 6 19
84 1940/41 Schulleiter Galle 5; 6 22
85 1941/42 fehlt - im Staatsarchiv Münster befand sich dafür der Jahresplan der Oberschule für Mädchen in Lippstadt
86 1943 fehlt
87 1944 fehlt
88 1945 fehlt
89 1946/47 Dr. Johnen wird als Schulleiter eingesetzt ? Das Ostendorf-Schulgebäude wird als ?polnische Schule? konfisziert 5; 6 9
90 1948/49 nur Schulnachrichten 5; 6 10
91 1950/51 W. Strothenke wird Schulleiter 5; 6 9
92 1951/52 nur Schulnachrichten 5; 6 7
93 1954/55 nur Schulnachrichten 5; 6 2
94 1955/56 Dr. Otto Just wird Schulleiter 2; 5 2
95 1956/57 nur Schulnachrichten 2; 5 11
96 1957/58 nur Schulnachrichten 2; 5 11
97 1958/59 nur Schulnachrichten 2; 5 13
98 1959/60 nur Schulnachrichten 2; 5 17
99 1960/61 H. Gries (stellvertr. Direktor) 2; 5 16
100 1961/62 Dr. M. Hellweg 2; 5 21
101 1963 nur Schulnachrichten 2; 5 29
102 1964 ?schriftl. Rüge? von Münster wegen Nichteinhaltung der Richtlinien in einigen Fächern 2; 5 22
103 1965 nur Schulnachrichten 2; 5 21
104 1966 Kurzschuljahr / Jg. 104/2 Schuljahr 1966/67 2; 5 23/22
105 1967 nur Schulnachrichten 2; 5 17/25
106 1968 nur Schulnachrichten 2; 5 23
107 1969 Dr. M. Hellweg wird Schulleiter ? Abriss des Ostendorf-Schulgebäudes von 1864 2; 5 13
108 1970 G. Pagenkemper kom. Schulleiter 2; 5 21
109 1971 H. Burmann wird Schulleiter 2; 5 22


Ab 1972 wurden die Jahresberichte der Schule von der Schulaufsicht in der alten Form nicht mehr eingefordert. Es erscheinen statt dessen im Namen des Vereins der Freunde und Förderer des Ostendorf-Gymnasiums Jahreshefte für die Mitglieder des Vereins. Dies ist geübte Praxis bis heute. Seit 2002/2003 veröffentlicht auch der Verein der Ehemaligen, „Ostendörfler“, in dieser Schrift seine Beiträge zur Schulgeschichte.


Erfassungsdatum: 23. 01. 2004
Korrekturdatum: 19. 06. 2006