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Projektleiter, Anprechpartner: Wiegmann, Ulrich; Caruso, Marcelo
Name des Projektes: CfA – Jahrbuch für Historische Bildungsforschung 21 (2015): Call for Articles für die Teile Schwerpunkt – Abhandlungen – Quelle
Vorauss. Abschluss: 31. 08. 2014
E-mail: marcelo.caruso@hu-berlin.de
Darstellung des Forschungsvorhabens: 1. Schwerpunkt: Bildung und Hegemonie

Bildungsprozesse und Bildungsinstitutionen – so eine Erkenntnis kritischer Bildungstheorien und Bildungsforschung – sind mitnichten lediglich Agenten von Emanzipation bzw. von individueller und kollektiver Mündigkeit, sondern auch gleichzeitig oder gar primär Orte und Praktiken der Entstehung von Herrschaftsverhältnissen. Auch wenn neuere historische Studien die Handlungsfähigkeit der Akteure, Deutungsspielräume, widerständige Praktiken und abweichende Sinngebungen in unterschiedlichen Bildungs- und Erziehungsfeldern hervorgehoben haben, werden Bildungsprozesse und Bildungsinstitutionen eher selten als Grundsteine für die Entstehung von politisch-kultureller Hegemonie (aus dem Griechischen hegemon: Führer, leader) betrachtet. Mit dem Begriff der Hegemonie werden im Sinne Antonio Gramscis Prozesse und Zustände der weitgehenden Vorherrschaft einer sozialen Klasse über andere bezeichnet, die jedoch nicht nur eine ökonomische und politische Vorherrschaft implizieren, sondern darüber hinaus die Fähigkeit hegemonialer Kräfte, die eigene Weltsicht auf andere Gruppen zu projizieren und diese als eine Art common sense durchzusetzen. Diese Bestimmung des Hegemoniebegriffs stellte eine erhebliche Erweiterung seiner Bedeutung dar. Im 19. Jahrhundert wurde unter Hegemonie vor allem die Beschreibung der Vorherrschaft von bestimmten Staaten bzw. Weltregionen über andere verstanden. In den letzten Jahrzehnten haben sich Analysen im Bereich der politischen Philosophie auf diese Erweiterung des Begriffs bezogen und Hegemonie von ihrer engen Verbindung zum marxistischen Klassenkonstrukt entkoppelt. Mit dem Werk von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe wurde Hegemonie nun als grundlegende Herstellungsform von „Gesellschaft“ konzipiert, die ihren Fokus auf die Produktion von Stabilisierung von Bedeutungen in sog. diskursiven Artikulationen hat.

Das Jahrbuch für Historische Bildungsforschung (2015) widmet Fragen der Konstruktion von Hegemonien durch Bildung und der Konstruktion von Bildungshegemonien seinen Schwerpunkt. In Rückbindung auf die verschiedenen semantischen Felder des Begriffs sind einerseits Fragen der Produktion geographisch-kultureller Hegemonie (Stichwörter: Weltsystem, Kolonialismus, Postkolonialismus), andererseits Fragen der Herrschaft bestimmter Gruppen, Klassen und Milieus (Stichwörter: Armut, Ungleichheit, symbolische Hierarchisierung) und schließlich Fragen der diskursiven Produktion von dauerhaften, stabilen Bedeutungen durch Bildung und Erziehung bzw. innerhalb von Bildungs-, Erziehungs- und Sozialisationsfeldern (Stichwörter: Gender, Ethnizismen, diskursive Praktiken, Durchsetzung und Naturalisierung von Vorbildern und Normen) verbunden. Diese thematisch durchaus disparaten Fragen gewinnen durch den Rekurs auf den Begriff von Hegemonie ein gemeinsames Diskussions- und Problematisierungsfeld und können bildungshistorisch durchaus mit weiteren Praktiken und Institutionen der Hegemoniebildung in Verbindung gebracht werden.

Abgabe des Exposés: bis zum 31. August 2014
Annahme/Ablehnung des Exposés: bis zum 30. September 2014
Abgabe des Beitrags: bis zum 15. März 2015

2. Abhandlungen

Auch für den Teil Abhandlungen sind die Kollegen_innen aufgefordert, Beiträge einzureichen. Dabei sind alle historischen Themenfelder erwünscht. Beiträge, die die Phase vor dem 18. Jahrhundert betreffen, sind besonders willkommen.

3. Quelle

Möglichst in jedem Jahr wird eine markante Quelle publiziert und in ihrem Kontext interpretiert. Auch Einreichungen hierfür sind sehr willkommen.

Senden Sie Ihre Abhandlung bzw. Ihren Quellenvorschlag per E-Mail an: Prof. Dr. Ulrich Wiegmann, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, E-Mail: u.wiegmann@imail.de

Schlagwörter: Bildungsgeschichte; Publikation; Historische Bildungsforschung
Eingetragen von: barkowski@dipf.de
Erfassungsdatum: 13. 05. 2014
Korrekturdatum: 09. 06. 2015